Internationales Medien- und Kulturmanagement

Die Bundeszentrale für politische Bildung, die Kunstsammlung Gera und die der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig veranstalten am 2. Juli 2021 in Kooperation die Tagung „Polyphonie – Vielstimmigkeit, Ambiguität und Mehrdeutigkeit aus interdisziplinärer Perspektive“. Sie bildet den Auftakt zur Ausstellung „Polyphon. Mehrstimmigkeit in Bild und Ton“ (02.07. - 19.09.2021) in der Kunstsammlung Gera. Zu den Referent*innen zählen die bildenden Künstlerinnen Euridice Zaituna Kala (Paris /Mosambik) und Natascha Sadr Haghighian (Berlin), die Kunsthistorikerin Dr. Katja Gentric (Paris), der Regisseur Jens Heitjohann (Berlin), der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Sebastian Klotz (Humboldt-Universität zu Berlin), der Sozialwissenschaftler Dr. Werner Friedrichs (Uni Bamberg) sowie Jan Thoben (Studiengangsleiter Sound Studies and Sonic Arts, UDK Berlin).

Das Finale des Programms bildet ein Parcours durch die Räume der HGB mit künstlerischen Arbeiten von HGB-Studierenden aller Fachrichtungen sowie von Studierenden des Masterstudiengangs Sound Studies and Sonic Arts der Universität der Künste Berlin. In Performances und Installationen werden multiple Bedeutungen von Vielstimmigkeit audiovisuell erlebbar.

Schwerpunkt der Tagung ist die Betrachtung von Vielstimmigkeit, Ambiguität und Mehrdeutigkeit als Perspektiven auf Polyphonie. Der Begriff Polyphonie stammt aus der Musikwissenschaft und bezeichnet dort nicht nur Mehr- oder Vielstimmigkeit, sondern setzt auch die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der Stimmen eines Stückes voraus. Der Begriff konnotiert außerdem gesellschaftliche und politische Bedeutungen. So wendet der Literaturwissenschaftler und Kunsthistoriker Michail Bachtin „Polyphonie“ metaphorisch an, um auf die Artikulierung von gegensätzlichen Weltansichten und Perspektiven hinzuweisen. Verstanden als Chiffre für die Verfasstheit der spätmodernen Gesellschaft sowie für das Verhältnis der Einzelnen zur Vielheit eröffnet „Polyphonie“ somit interessante interdisziplinäre Perspektiven.

In Bezug auf polyphone Praktiken und Theorien werden folgende Fragen diskutiert: Wie deuten Künstler*innen, Medienwissenschaftler*innen und politische Bildner*innen den Begriff für ihr Arbeitsfeld und welche Schnittstellen werden sichtbar? Welche Beiträge kann eine solche Auseinandersetzung für die Bildung in einer pluralistischen Demokratie leisten, die sich aktuell intensiv und kontrovers mit Fragen der Identität, der Vielheit, eines gemeinsamen „Wir“, dem Verhältnis von Subjekt und Gesellschaft sowie deren (medialen) Repräsentationen auseinandersetzt? Die instabile Harmonie demokratischer Vielstimmigkeit erfordert ebenso wie die musikalische und literarische Polyphonie den ständigen Ausgleich zwischen dominanten und sub-dominaten bzw. subalternen Positionen. Museen und Kunsthochschulen gelten dabei als prädestinierte Orte konstruktiver Debatten über Pluralismus, kulturelle Teilhabe und Diversität.
Ziel der Fachtagung ist die Fokussierung auf die Art und Weise, wie polyphone Aspekte in der materiellen und immateriellen Kultur durch interdisziplinäre, künstlerische und wissenschaftliche Positionen beschrieben dargestellt und wahrnehmbar gemacht werden. In diesem Sinne werden Polyphonie und Vielstimmigkeit als Methoden einer Ein- und Entgrenzung der sinnhaften Erschließung von Welt verstanden. Die Kombination dieser Praktiken kann Einblicke in die vorwiegend über Wahrnehmung von Welt konstituierte Subjektivität in der Gegenwartsgesellschaft eröffnen. Ästhetische- und/oder Medienbildung mit den ihnen eigenen Zugängen zu (trans-) kulturellen Praktiken verweisen auf die Mechanismen der spätmodernen Welterzeugung, deren Verständnis die Voraussetzung einer politischen Bildung ist, die „Welt“ nicht nur verstehbar, sondern auch transformierbar machen will.

Polyphonie – Vielstimmigkeit, Ambiguität und Mehrdeutigkeit aus interdisziplinärer Perspektive
Eine Tagung der Bundeszentrale für politische Bildung (Dr. Sabine Dengel und Dr. Anna Kaitinnis), der Kunstsammlung Gera (Dr. Claudia Tittel, in Zusammenarbeit mit Dr. Anne Zeitz von der Universität Rennes 2/PTAC) und der HGB Leipzig (Prof. Dr. Dieter Daniels)
Beteiligte Künstler*innen: Felix Almes /Aaron Pfersdorf, Leon Billerbeck, Vicente Arrese Birkner, Tianxu Liu / Ziteng Ye, Frederike Moormann, Paul Naegele, Maria Isabel Pineda, Neam Tarek (alle HGB Leipzig) sowie Studierende des Masterstudiengangs Sound Studies and Sonic Arts der Universität der Künste Berlin

Freitag, 02.07.2021, 10:00-19:00 Uhr
Festsaal der HGB
Wächterstraße 11
04107 Leipzig
Anmeldung bis zum 29. Juni: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Die Teilnahme an der Tagung ist auf 60 Personen (inklusive Sprecher*innen) reduziert und es muss ein tagesaktueller negativer Coronatest mitgebracht werden.

Das Programm zum Download

Die HGB Leipzig sowie die im Rahmen der Hochschultätigkeit umgesetzten Maßnahmen werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Quelle: Hochschule für Grafik und Buchkunst