Internationales Medien- und Kulturmanagement

"BauhausGlobal – die Moderne in der Welt"

Der in Berlin lebende Fotograf Jean Molitor spürt dem Bauhaus-Stil und dessen Beeinflussungen nach und sucht auf allen Kontinenten explizit nach der gemeinsamen Formensprache, nach Querverbindungen und Einflüssen, die er fotografisch aufwendig dokumentiert. Eine erste Ausstellung seiner Fotografien fand 2016 im Henry van de Velde Museum in Gera unter dem Titel „bau1haus – Die Moderne in der Welt“ statt. Im Aufbau begriffen ist ein weltweites Archiv des modernen Bauens unter dem gleichnamigen Label „bau1haus“ als Rettung vor dem Vergessen durch fotografische Dokumentation.

Molitor spürt, über die Ausbreitung einer Idee und eines Stils hinaus, auch die Migrationswege jener Protagonisten auf, die ihre Heimat verlassen mussten oder wollten, jedoch die Haltungen und Formensprache des Bauhauses weitertrugen. In der kurzen Phase seines Bestehens hat das Bauhaus und seine Lehrenden und Lernenden trotz des immer rigider werdenden nationalistischen Klimas in den 1920er Jahren es geschafft, kosmopolitisch, international und kollaborativ zu bleiben. Der Austausch und die Begegnung verschiedener Kulturen war eine Prämisse an der Schule und erhielt auch dadurch wichtige Impulse und seine bis heute andauernde Strahlkraft. Dazu gehört auch das sogenannte „Rote Bauhaus“ der 1930er Jahre von einer Gruppe von Bauhausschülern und -lehrern, die die Aspekte des vorletzten Bauhausleiters (1928-30), des Schweizer Urbanisten Hannes Meyer, nicht nur im Westen, sondern auch in der Sowjetunion, Nordkorea, dem Irak und der DDR weiterentwickelte.

Die nonverbale direkte „Sprache“ sowohl von Architektur als auch von Architekturfotografie vermittelt jedem Besucher der Ausstellung „BauhausGlobal“ gleich welcher ethnischen, sprachlichen und kulturellen Abstammung, gemeinsame, verbindende und gleichbleibende, d.h. identitätsstiftende Grundelemente des Bauhaus-Stils, aber auch lokale und regionale Abwandlungen, Variationen und Anpassungen, die einen hybridisierenden Wiedererkennungseffekt des „fremden“, nomadischen Bauhaus-Stils in einer „vertrauten“ Umgebung außerhalb Deutschlands erzielen. Dies zeigt auch, dass es das eine Bauhaus nicht gegeben hat, sondern dies aus Brüchen und Widersprüchen bestand.

Kontinuierlich versucht Jean Molitor seit zehn Jahren in der Reflexion auf das Erbe und auf die Hinterlassenschaften dieses prägenden Stils, auch auf bekannte kulturelle Werte zu verweisen, die uns bis heute gemeinschaftlich über Grenzen hinaus verbinden.

Die Ausstellung zeigt 100 großformatige Fotowerke aus den Jahren 2009 bis heute. Die abgelichteten Bauwerke stammen aus ca. 20 Ländern (neben Deutschland u.a. aus Norwegen, Dänemark, Russland, Guatemala, Kuba, Indonesien, Kambodscha, Kenia, Burundi, Israel und dem Libanon).

Handelskammer Hamburg
Adolphsplatz 1, Hamburg
Laufzeit: 12. April bis 14. Juni 2019

Quelle und Text: Prof. Claus Friede (Claus Friede*Contemporary Arts, Hamburg)